Donnerstag, 25. Juni 2026
Abschied von einem vertrauten Gotteshaus – Kirche in Speyerbrunn profaniert
Mit einem würdigen Gottesdienst ist die katholische Kirche St. Wendelin und St. Hubertus in Speyerbrunn profaniert worden. Weihbischof em. Otto Georgens vollzog die liturgische Entwidmung des Gotteshauses und setzte damit den Schlusspunkt unter eine jahrzehntelange Geschichte als Ort des Gebetes, der Sakramente und des Gemeindelebens. Die Kirche selbst wurde 1932 erbaut.
Zahlreiche Gläubige waren gekommen, um Abschied von der Kirche zu nehmen. Auch Vertreter der politischen und evangelischen Gemeinde nahmen an der Feier teil. So waren Pfarrerin Susanne Dietrich sowie Diakon Matthias Vorstoffel von der evangelischen Kirchengemeinde anwesend. Für die Ortsgemeinde nahm Ortsbürgermeister René Verdaasdonk am Gottesdienst teil. Musikalisch umrahmten die Chöre „Kurpfälzischer Singkreis“ und der Männergesangverein „Sängerlust“, beide aus Elmstein, die Feier. Die Orgelbegleitung oblag Thomas Kaiser.
In seiner Predigt machte Weihbischof Otto Georgens den Gläubigen Mut. Er betonte, dass nicht die Mauern eines Kirchengebäudes das Wesentliche seien, sondern die Gemeinschaft der Menschen, die ihren Glauben leben. Kirche entstehe dort, wo Menschen gemeinsam beten, glauben und füreinander da sind. Diese Gemeinschaft bleibe auch dann bestehen, wenn ein Gotteshaus seine liturgische Bestimmung verliere.
Ein besonderer Dank galt am Ende des Gottesdienstes den Menschen, die sich für die Kirche engagiert haben. Besonders wurden das Ehepaar Reichard, für ihren treuen, vielfältigen und unermüdlichen Sakristandienst gewürdigt.
Die Profanierung bedeutet, dass die Kirche künftig nicht mehr für katholische Gottesdienste genutzt wird. Vorausgegangen waren intensive Beratungen innerhalb der kath. Kirchengemeinde Hl. Johannes XXIII., Lambrecht sowie eine Gemeindeversammlung in Speyerbrunn. Ausschlaggebend für die Entscheidung waren vor allem die finanziellen Herausforderungen, denen sich die Pfarrei angesichts der Unterhaltung mehrerer Kirchengebäude stellen muss und der äußerst geringe Kirchenbesuch.
Ursprünglich war vorgesehen, das Kirchengebäude an eine orthodoxe Gemeinde zu verkaufen, die es weiterhin als Gotteshaus nutzen wollte. Kurz vor den geplanten Verkaufsgesprächen zog sich der Interessent jedoch zurück. Unabhängig davon hielt die Pfarrei an der Profanierung fest. Über die zukünftige Nutzung des Gebäudes soll zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werden. Interessenten zum Kauf des Gebäudes dürfen sich im katholischen Pfarramt in Lambrecht melden.
Für viele Menschen in Speyerbrunn bleibt die Kirche ein Ort voller Erinnerungen. Hier wurden Generationen getauft, feierten Erstkommunion und Hochzeit oder nahmen Abschied von ihren Verstorbenen. Mit der Profanierung endet ein bedeutendes Kapitel der Orts- und Kirchengeschichte – die lebendige Gemeinschaft der Gläubigen jedoch bleibt bestehen.
Text von Yvonne Faß
Fotos: Katholische Kirchengemeinde



