Samstag, 27. Juni 2026

Ein Leben für den Glauben und die Menschen

Esthal trauert um Ehrensakristan Karl Becker

Die katholische Kirchengemeinde St. Konrad in Esthal trauert um ihren langjährigen Ehrensakristan Karl Becker. Er verstarb am 27. Juni 2026 im Alter von 96 Jahren in Kaiserslautern. Das Diakonissenhaus am Stadtpark wurde zu seiner letzten Lebensstation. Dort fand er nicht nur ein neues Zuhause, sondern blühte noch einmal auf. Trotz seines hohen Alters und seiner gesundheitlichen Einschränkungen engagierte er sich auch dort für seine Mitmenschen, wo immer ihm dies möglich war. Er war der Vorsitzende des Heimbeirates und betreut die Kranken und Sterbenden seelsorgerisch.

Karl Becker wurde am 14. März 1930 in Kaiserslautern als siebtes von acht Kindern der Eheleute Christian Becker und Elise Becker, geborene Dietz, geboren. Er wuchs in einer kinderreichen Familie auf und erinnerte sich stets an eine glückliche Kindheit. Nach dem Besuch der Volksschule erlernte er zunächst den Beruf des Schuhmachers. Sein Wunsch, sein Leben in den Dienst Gottes zu stellen, begleitete ihn jedoch von frühester Jugend an. Während eines siebenjährigen Aufenthalts in einer Klostergemeinschaft absolvierte er die Ausbildung zum Sakristan und legte damit den Grundstein für sein späteres Lebenswerk.

Der Liebe wegen zog Karl Becker nach Esthal. Am 22. Mai 1956 heiratete er Maria Roth. Aus der Ehe gingen zwei Söhne hervor. Nach dem frühen Tod seiner ersten Ehefrau Maria im Jahr 1963 fand er später mit Elvira erneut sein persönliches Glück. Aus dieser Ehe stammt eine Tochter.

Bereits 1957 trat er dem Kirchenchor Esthal bei. Am 1. April 1959 übernahm er den Dienst als Sakristan der Bruder-Konrad-Kirche – ein Amt, das er mit großer Hingabe, Zuverlässigkeit und tiefer Glaubensüberzeugung 55 Jahre lang ausübte. Aus gesundheitlichen Gründen musste er den Dienst in jüngere Hände legen.

Während seiner langen Amtszeit begleitete Karl Becker unzählige Gottesdienste, Taufen, Trauungen, Erstkommunionen, Firmungen, Beerdigungen, Andachten und Rosenkranzgebete. Er stand fünf Pfarrern als verlässlicher Sakristan zur Seite: Pirmin Vatter, Ludwig Bauer, Konrad Rieth, Walter Fuhrmann und Gerhard Burgard. Generationen von Gläubigen verbinden mit ihm das kirchliche Leben in Esthal.

Doch sein Engagement beschränkte sich nicht auf den Sakristanendienst. Über 34 Jahre stand Karl Becker an der Spitze des Kirchenchores St. Konrad und prägte dessen Entwicklung als Erster Vorsitzender maßgeblich. Für seine großen Verdienste wurde er später zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Darüber hinaus engagierte er sich über viele Jahre im Pfarrgemeinderat, dessen Vorsitz er ebenfalls lange innehatte. Ein besonderes Anliegen waren ihm die Wallfahrten nach Altötting, die er mit großem Einsatz organisierte und begleitete.

Selbst nachdem er seinen Dienst beendet hatte, blieb er seiner Kirche eng verbunden. So erklärte er noch Kommunionkindern mit ihren Katechetinnen die Bruder-Konrad-Kirche und gab sein umfangreiches Wissen an die nächste Generation weiter.

Sein außergewöhnliches ehrenamtliches Engagement wurde vielfach gewürdigt. Am 7. August 2000 erhielt Karl Becker die Ehrennadel des Landes Rheinland-Pfalz für langjährige ehrenamtliche Tätigkeit im Dienste der Gemeinschaft. Am 5. Oktober 2008 verlieh ihm Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann die Pirminius-Plakette – die höchste Auszeichnung des Bistums Speyer für herausragende ehrenamtliche Verdienste um Kirche und Caritas.

Auch seine Heimatgemeinde ehrte ihn mehrfach. Für 50 beziehungsweise 60 Jahre Mitgliedschaft im Kirchenchor wurde er ausgezeichnet, 2015 für seine 40-jährige Treue zum Männergesangverein. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Elvira erhielt er 2009 eine besondere Auszeichnung für 50 Jahre selbstlosen Einsatz in der katholischen Kirchengemeinde.

Als Karl Becker seinen Dienst aus gesundheitlichen Gründen 2013 als Sakristan beendete, ernannte ihn die Pfarrgemeinde St. Konrad zum Ehrensakristan. Pfarrgemeinderatsvorsitzender Matthias Krauss dankte ihm für seinen jahrzehntelangen Einsatz. Pfarrer Gerhard Burgard würdigte sein Wirken als Dienst im Geiste des heiligen Bruder Konrad und überreichte ihm die Bruder-Konrad-Medaille sowie eine Kerze mit dem Motiv der Esthaler Kirche.

Ein bewegender Moment war der 14. März dieses Jahres. Anlässlich seines 96. Geburtstages überraschte ihn der Kirchenchor St. Konrad Esthal mit einem Besuch im Diakonissenhaus am Stadtpark in Kaiserslautern. Die Sängerinnen und Sänger bereiteten ihrem langjährigen Ehrenvorsitzenden mit einem Geburtstagsständchen eine große Freude.

Auch Pfarrer Gerhard Burgard und Pfarrer Christoph Herr ließen es sich nicht nehmen, Karl Becker persönlich zu gratulieren. In ihren Grußworten würdigten sie sein jahrzehntelanges Wirken für die Pfarrgemeinde und spendeten ihm den Segen.

Dieser Besuch machte noch einmal deutlich, wie eng Karl Becker auch in seinen letzten Lebensmonaten mit seiner Heimatgemeinde verbunden blieb – und wie groß die Dankbarkeit und Wertschätzung waren, die ihm entgegengebracht wurden.
Mit Karl Becker verliert Esthal einen Menschen, dessen Leben von Glauben, Bescheidenheit und Hilfsbereitschaft geprägt war. Über mehr als sechs Jahrzehnte stellte er seine Zeit und seine Kraft uneigennützig in den Dienst der Kirche und der Menschen. Sein Wirken wird weit über seinen Tod hinaus in dankbarer Erinnerung bleiben.

Karl Becker hinterlässt drei Kinder, zwei Enkel und drei Urenkel.

 

von Harald König