Samstag, 07. Februar 2026

Ein dringender Appell zur Zukunft der katholischen Kirche im Tal

Die katholische Kirche steht vielerorts vor großen Herausforderungen. Sinkende Gottesdienstbesuche, schwindende finanzielle Spielräume und eine zunehmende Entfremdung vieler Menschen vom kirchlichen Leben prägen auch das Bild in unseren Gemeinden. Was oft abstrakt diskutiert wird, hat vor Ort sehr konkrete Folgen: für Gebäude, für Angebote, für das seelsorgliche Wirken – und letztlich für die Frage, wie „Kirche im Dorf“ künftig noch gelebt werden kann.

Pfarrer Christoph Herr richtet sich daher mit einem offenen, nachdenklichen und zugleich eindringlichen Wort an die Gläubigen im Tal. Sein Text ist kein Abgesang, sondern ein ehrlicher Appell zur Umkehr, zur Mitverantwortung und zur bewussten Entscheidung für den Glauben und die gemeinsame Zukunft der Pfarrei.

Wort von Pfarrer Christoph Herr

Schwestern und Brüder,
mit dem Aschermittwoch treten wir wieder ein in die Buß- und Fastenzeit. Es sind jene 40 Tage der Umkehr und der Erneuerung, die unser Herz auf Ostern vorbereiten wollen. Die Kirche lädt uns ein, mit Christus zu sterben und mit ihm aufzuerstehen.

Mit großer Sorge blicke ich jedoch auf die aktuelle Situation unserer Pfarrei. Der sonntägliche Gottesdienstbesuch liegt bei gerade einmal noch rund drei Prozent. Teilweise erlebe ich Sonntagsmessen mit weniger als zehn Gläubigen. Gleichzeitig bricht zunehmend die wirtschaftliche Grundlage für die Aufgaben der Pfarrei weg. In diesem Jahr muss der Haushalt im Vergleich zum Vorjahr um bis zu 15 Prozent gekürzt werden. Dies betrifft sowohl das Pfarrbüro als auch den Unterhalt unserer Kirchen und Kitas.

Hinzu kommt eine persönliche Beobachtung: Vor Kurzem habe ich meine erste – und bisher einzige – Krankensalbung in unserer Pfarrei gespendet. Dies betrifft übrigens alle Sakramente und Sakramentalien, zu deren Ausspendung ein Priester bestellt ist. Brauchen die Menschen im Tal überhaupt noch einen Geistlichen?

Die bitteren Konsequenzen liegen auf der Hand: Für drei Prozent Kirchbesuch sind acht von neun Kirchen zu viel und auf Dauer nicht finanzierbar. Für kaum nachgefragte Sakramente braucht es weder zwei Priester noch drei Seelsorger vor Ort – dann genügt rechnerisch eine halbe Seelsorgestelle. Wenn sich daran nichts ändert, könnte unsere Pfarrei enden wie die ehemalige Wallfahrtskirche in Appenthal: als Ruine einer vergangenen Zeit. Wenn dies der Weg ist, wäre es ehrlicher, den Bischof um die Auflösung der Gemeinde zu bitten.

Wo sind die Gläubigen, die im Gespräch zwischen Tür und Angel von den einst schönen Tagen erzählen? Wo sind jene, die früher mit Leidenschaft Messdiener oder Katecheten waren? Ist in unseren eigenen Reihen wirklich nur für drei Prozent der Sonntag noch wichtig?

All das Gute, das wir im vergangenen Jahr begonnen haben, und die zarten Blüten eines kleinen Aufbruchs haben nur dann Bestand, wenn sich jede Katholikin und jeder Katholik bewusst macht: Mein Gesicht ist das Gesicht der Pfarrei – und ich bestimme ihre Zukunft durch mein Kommen und mein Fernbleiben mit.

Am 1. März wollen wir versuchen, den „Gemeinsamen Sonntag“ zu initiieren: ein Sonntag, eine Heilige Messe, ein bewusst gestalteter Vormittag für meinen Glauben. Weitere Angebote sind der Glaubensquell, die Passions- und Taizé-Andachten, die Predigtreihe in Lambrecht, die Fahrt nach Österreich sowie die Mitfeier des Aschermittwochs und der Kar- und Ostertage.

Mein Appell lautet: Nutzen Sie die Buß- und Fastenzeit, um sich bewusst für die Pfarrei im Tal zu entscheiden. Oder sagen Sie uns zumindest, welches Angebot Sie vermissen und wie Sie sich selbst einbringen möchten. Nur mit Ihnen kann „Kirche im Dorf“ bleiben.

Christoph Herr, Pfarrer

 

von Harald König