Dienstag, 28. April 2026

Höhrend, dienend, solidarisch

Weihbischof em. Georgens spricht über die Mystikerin Madeleine Delbrêl

Im Rahmen der ökumenischen Vortragsreihe „Spurensuche Glauben“ steht am Donnerstag, den 28. April 2026, die französische Mystikerin, Sozialarbeiterin und geistliche Schriftstellerin Madeleine Delbrêl (1904 – 1964) im Fokus. Sie wird auch als die "Mystikerin der Straße" bezeichnet. Referieren und mit den Zuhörern ins Gespräch kommen wird der emeritierte Speyerer Weihbischof Otto Georgens.

Delbrêl fand nach einer atheistischen Jugend als junge Erwachsene zum christlichen Glauben zurück. Diese Erfahrung führte sie zur Entscheidung: Gott nicht außerhalb der Welt zu suchen, sondern mitten im Alltag, unter den Menschen. Ab 1933 lebte sie in Ivry-sur-Seine nahe Paris in einem politisch und religiös distanzierten Umfeld. Dort verstand sie ihr Leben als geistlichen Weg „auf der Straße“ – hörend, dienend, solidarisch. Für Delbrêl war Mission kein Reden über Gott, sondern ein Dasein in Liebe, Aufmerksamkeit und Verfügbarkeit. Ihre Spiritualität lädt dazu ein, das eigene Leben als Ort der Gottesbegegnung wahrzunehmen – gerade im Unscheinbaren und Alltäglichen. Sie schreibt: „Das Wort Gottes trägt man nicht in einem Köfferchen bis ans Ende der Welt, man trägt es in sich.“ Und: „Gott hat uns nicht gerufen, ihn außerhalb der Welt zu suchen, sondern ihn zu finden, indem wir die Welt lieben.“ Dieser Zugang macht Madeleine Delbrêl zu einer wichtigen Wegbegleiterin: Sie ermutigt, das eigene Leben ehrlich anzuschauen und Gott da zu entdecken, wo man gerade steht. Die katholische Kirche betreibt seit 1993 ein Seligsprechungsverfahren.

Otto Georgens ist ein ausgewiesener Kenner Delbrêls und war von 1995 bis 2025 Weihbischof in Speyer. Der 1950 in Weisenheim am Berg geborene Geistliche empfing 1977 in Speyer die Priesterweihe. Seit 2025 ist er im Ruhestand.

Ort und Zeit: Donnerstag, den 28. April 2026, um 19 Uhr in der evangelischen Kirche Neidenfels. Eintritt frei.